In Everquest war der Ahoranos-Clan über die längste Zeit seines Bestehens. Diese Welt bietet eine schier unüberschaubare Menge von Möglichkeiten, Aufgaben, Quests, Handwerksberufen und Kampfherausforderungen für Einzelkämpfer bis hin zu Großraids mit 72 Mitgliedern. Wenn man einmal in dieses Spiel hineingefunden hat, dann wird man in Vergangenheit und Zukunft wohl kaum auch nur annähernd vergleichbares finden. Mit jährlich bis zu zwei Add-Ons und Inhaltspatches fast jeden Monat entwickelt sich die Spielumgebung ständig und die Handlungen der Spieler fließen in die Hintergrundgeschichte mit ein. So gibt es eben Server auf denen die Dunkelelfen die Stadt Firiona Vie eroberten, auf anderen ist diese Stadt nach wie vor in den Händen der guten Rassen. Auf einigen wurde der Schläfer Kerafyrm erweckt auf anderen nicht und in wieder anderen wurde er zwar erweckt aber verschwand spurlos in den Tiefen der Zeit.
Natürlich hat diese Vielfalt nicht nur gute Seiten. Rollenspiel kommt oft zu kurz, obwohl die Möglichkeiten da sind, weil man einfach ohnehin nicht weiss, was man zuerst machen sollte, zumal einem Everquest wirklich die Freiheit gibt zu machen was man will, und wann man es will. Es gibt keine Pflichtquestlinien oder unbedingte Wege in welcher Reihenfolge man die Fülle von über 800 verschiedenen Landschaften bereist oder ob man lieber Monstermissionen macht, seine Monstergestalten entwickelt, ein grosser Handwerker wird. Ob man Solo kämpft, in Gruppe oder in Raids zwischen 24 und 72 Personen, man findet immer mehr als genug zu tun.
Da liegt für manche auch das Problem. Man wird von keinem ans Händchen genommen der einem sagt: Du machst zuerst das und dann das und danach musst du dort hin. (abgesehen vom durchaus guten Tutorial). Die Möglichkeiten können Neulinge total umhauen und überfordern und wer vorher nur massenbedarfstaugliche Spiele wie WoW kannte findet sich kaum zurecht. Allerdings findet er im Gegensatz zu Massenspielen dort eine wirklich freundliche Community, die auch bereit ist Neulingen alles zu erklären ohne sie auszulachen und zu verspotten. Jeder der dort ist weiss, wie schwer es zu Anfang ist. Ausserdem ist das Originalspiel nur noch auf englischen Servern zu spielen und geht derzeit ins zehnte Jahr seines Bestehens.
Die Everquest-Gemeinde ist erheblich kleiner als zum Beispiel World of Warcraft, aber auch zu Everquest gibt es inzwischen eigene Zeitungen, Fan Fairies und Romane zum Teil vom für seine Dunkelelfen-Saga um Drizzt do'Urden berühmten R.A. Salvatore.
Die Everquest Gemeinschaft und die World of Warcraft-Gemeinde verbindet eine herzliche Feindschaft. Obwohl oder gerade weil viele Everquestler zeitweilig (meist 6 Monate bis 1 Jahr) nebenbei auch mal World of Warcraft spielen... oder besser gesagt durchspielen . Trotzdem ist es für jeden Everquestler die wohl grösste Beleidigung ihm zu sagen: "Geh doch World of Warcraft spielen." So etwas bedeutet in Everquest das man sein Gegenüber für nicht kommunikationsfähig, lernresistent und in der Welt Norrath für fehl am Platze hält. Sicher eine ungerechte Verallgemeinerung, aber das haben Verallgemeinerungen generell so an sich. Im Gegenzug bezeichnen WoW-Spieler die Everquestler eher als "Pseudoelitär", wobei man sich da in Everquest eher denkt, besser Pseudo- als gar nicht elitär und darüber milde lächelt.
Ich persönlich spiele derzeit Everquest II (weils auf deutsch ist und das genialste Housing aller Zeiten hat) und Everquest weil auch bessere Graphik in Everquest II nicht das Feeling von 500 Monstern verfolgt zu werden, wo jeder einzelne leicht in der Lage ist einen zu besiegen, ersetzt. Auch ich gestehe eine gewisse Zeit bei World of Warcraft ein. Weil eben viele sagten man soll nicht über etwas urteilen was man nicht kennt. Aber ich und der Clan sind wieder zu Hause und das ist auch gut so. World of Warcraft spieler mögen mir diese Worte verzeihen, aber ich bin ohnehin der Meinung, dass Spieler die sich in World of Warcraft zu Hause fühlen, das in Everquest kaum werden. Und umgekehrt vermutlich schon mal gar nicht. Und für Gelegenheitsspieler die ohnehin immer das neueste und angesagteste nur kurz spielen, durchspielen und weglegen ist Everquest überhaupt nichts. Es ist so gesehen als Spiel uralt, aber mit einem unvergleichlichen Charme, für die die sich die Zeit nehmen Land und Leute und Geschichte auf sich einwirken zu lassen.
Für PvP-Spieler ist Everquest gar nichts, man kann keine anderen Spieler angreifen, überfallen oder bestehlen wenn diese es im Rahmen von Duellen nicht ausdrücklich zulassen. Es gibt keine automatische Freund/Feind Einteilung in gut und böse. Jedes Ansehen wird durch die eigenen Taten immer beeinflusst so dass wenn man es will letztlich auch ein Dunkelelf in der Hochelfenstadt willkommen sein kann oder ein Froschlok seinen Feierabend in Neriak verbringt.
Eine Übersicht über die Entwicklung von Everquest I findet ihr hier:
Inzwischen kam auch im Oktober das 10. Add-On zu Everquest heraus: Seeds of Destruction